Gartenverein Grunewald
Grunewalder Gartenblätter – Jürgen Aufermann
In Erinnerung an Jürgen Aufermann
Grunewalder Gartenblätter
Heft 1 · Oktober 2015 · Jürgen Aufermann
In Erinnerung an den 2026 verstorbenen Gartenfreund. Sein Text wird ohne redaktionelle Umformulierungen als neu gestaltete Web-Lesefassung wiedergegeben. Grundlage ist die eingescannte Vorlage; einzelne Fehler der automatischen Texterkennung können enthalten sein.
Einleitung
Als ich vor einer Reihe von Jahren leichtfertig den Vorschlag machte, ob wir nicht ein “Grunewalder Gartenbuch” über unsere schöne Kleingartenkolonie erstellen/gestalten sollten, war mir noch nicht bewusst, dass diese Idee teilweise recht schwierig auszuführen sein würde. Nicht nur, dass viele Fakten – auch durch inzwischen weitgehendes Fehlen von Zeitzeugen aus der Gründerzeit der Kolonie – nicht eindeutig festzustellen sind, auch musste bedacht werden, dass zahlreiche Dinge unbeschrieben bleiben müssen aus datenschutzrechtlichen und anderen Gründen.
Die Idee des Gartenbuches ist nunmehr zur Verwirklichung des 1. Heftes der “Grunewalder Gartenblätter” geworden. Dies kann auch Vorteile haben, erneuert sich doch die Natur in der Zeit in unseren Breiten durch stete Neubildung von Blättern, Blüten und Früchten. Auch ist das Jahr 2015 insofern geeignet, als der Grunewald in Deutschland zum “Wald des Jahres” erklärt worden ist. Heft 1 erscheint im 68. Jahr der Kolonie, welches damit kein Jubiläumsjahr ist.
Hätte man um 1900 oder auch Jahrzehnte später von der “Kolonie Grunewald” gesprochen, so hätte jeder dies mit der Gründung der Villenkolonie Grunewald – die ab Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts auf Initiative/Veranlassung Otto von Bismarcks im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kurfürstendamms erfolgt war – gleichgesetzt. Damals dachte noch niemand an die weiter westlich im Grunewaldgebiet liegende Kleingartenkolonie, die erst 1947 infolge des weiteren Verlaufs der Berliner und Deutschen Geschichte entstehen konnte.
Bestehen unsere Parzellen auch nur aus Pachtland mit darauf errichteten Holzlauben oder kleinen Steinhäusern, so kann jeder, der sehenden Auges durch die Kolonie geht, erkennen, wie viel Arbeit und Liebe hier von den normalen Bürgern in ihre “kleinen Paradiesen” geflossen ist. Gerade in Zeiten der Globalisierung, der undurchsichtigen Finanzströme, der allgemeinen Verwirrung durch die enorme Ausweitung der täglichen Desinformationsflut, scheinen mir diese privaten Rückzugsräume wichtig zu sein.
In diesen ersten Blättern werden vom Autor sicher einige persönliche Lebenserfahrungen dargestellt, die so nicht von allen Gartenfreunden und Gartenfreundinnen ( im Text meist als GF abgekürzt) geteilt werden. Denn auch in dieser Gruppe gibt es – zum Glück – unterschiedliche Menschen, wie schon in der verschiedene Gestaltung der Gärten zum Ausdruck gebracht wird. Mögen wir dies als Reichtum empfinden und als Bereicherung gerade für den heutigen Großstadtmenschen.
Das nächste Kapitel bringt – damit oute ich mich mit meinem ehemaligen Beruf
– ein kleines Quiz. Versuchen Sie einmal, diese Fragen für sich zu beantworten! Darauf folgt ein 3. Kapitel, welches ein wenig über Gärten allgemein in der Geschichte der Menschheit, über die grundsätzlich verschiedene Gartengestaltung heute und schließlich über die verschiedenen Lebensalter im Garten zum Ausdruck bringt. Natürlich kann dieser Teil hier nur andeutend sein und nicht in die Einzelheiten gehen. Vielleicht zeigt es aber ein wenig, dass Kleingärtner zu sein nicht unbedingt heißen muss, dieses auch im geistigen Sinne zu sein! Schließlich war ja auch unser Berliner Vorzeigerusse Wladimir Kaminer auch einige Jahre Kleingärtner und hat darüber auch ein Buch geschrieben, welches in einigen Kapiteln durchaus launigen Charakter hat!
"Die Ausführungen zur Umgebung der Kolonie in Kapitel 4 können natürlich “nur mehr oder weniger stichpunktartig über einige weiteren Höhepunkte der nordöstlichen Grunewaldlandschaft Auskunft geben. Für uns, aber auch für andere, vielleicht ein Fingerzeig um auch – sofern die Zeit neben der Bearbeitung des eigenen Gartens bleibt – hin und wieder etwas davon aufzusuchen. [Die Vorgeschichte des Gebietes (Kap. 5) beginnt in der weiten Vergangenheit,
“ der Zeit der Eiszeiten und führt dann bis zur Umgestaltung des Gebietes zum Grunewaldforst. Hier muss Vieles unklar bleiben, denn leider war die Wissenschaft nicht mit der Kamera in diesen Zeiten dabei! Vielleicht kann in der Zukunft etwas mehr Licht diese Zeiten erhellen, was dann in zukünftigen Gartenblättern erweitert oder korrigiert werden kann!
Erst das Kapitel 6 geht auf die Gründung der Kolonie im Jahre 1947 ein! Diese Zeit ist – vor allem durch Unterlagen des Berliner Landesarchivs – recht gut belegt, obwohl natürlich auch hier Fragen offen bleiben müssen! Kapitel 7 zeigt einige Koloniepläne im Vergleich, wobei der von 1955 aus dem Wilmersdorfer Archiv der detallierteste/ aussagekräftigste geblieben ist! “Die Chronologie geht dann (8.) mit dem Bau des Vereinsheimes weiter, einem der Höhepunkte der Kolonie!
Viele interessante Fragen werden über den weiteren Fortgang der Geschichte der Kolonie in diesen Blättern nicht mehr erörtert. Ich erwähne nur etwa die Ablösung des GF Schubert durch GF Anklam oder auch den Austritt der Kolonie aus dem Bezirksverband Wilmersdorf in jüngster Zeit. Möge es in der Zukunft, dies ist der Wunsch des Autors, gelingen, die unterschiedlichen Interessen inrierhalb der Kleingärtner möglichst zusammenzuhalten, damit wir uns gegen andere gesellschaftliche Gruppen mit anderen Vorstellungen behaupten können.
Das kurze Kapitel 9 macht einige grundlegende Aussagen über den „Sonnenstand i in unseren Breiten im Tages- und vor allem im Jahreslauf.
| | Das sehr persönliche Kapitel 10 berichtet über Erlebnisse im Garten bzw. der Kolonie in den letzten 60 Jahren. Es zeigt, dass nicht nur wir, sondern auch
Pflanzen und Tiere an unseren Gärten ihren Anteil haben, ja, auch Ereignisse der Berliner oder Deutschen Geschichte ihren Ausdruck in Gartenerlebnissen finden konnten. Hier ist für die Zukunft ein reiches Betätigungsfeld für uns. Wenn nur von jeder Parzelle eine interessante persönliche Geschichte beigetragen wird, wie viele Gartenblätter werden wir allein damit füllen können! Das kurze Kapitel “Gereimtes Gartenleben” deutet nur an, dass auch hier in Zukunft ein weites Feld für zahlreiche (bessere!) künstlerische Betätigungen möglich ist. Dies wird dann im “Ausklang” an weiteren Beispielen noch ein wenig ausgeweitet.
Mögen einzelne Kapitel sowohl für unsere Gartenfreunde als auch für Interessierte an der umgebenden Landschaft des Berliner Grunewaldes interessant sein.
Dies wünscht sich der Autor!
Jürgen Aufermann (Parzelle 111) am …. 2015
Ich widme diese Arbeit dem Andenken meiner Mutter Hildegard Aufermann, geb. Speer (1908-1970), die in mir nicht nur die Liebe zum Garten sondern auch die Lust am Reisen, an Kunst, Literatur und Musik geweckt hat.
Ich freue mich, diese Arbeit 35 Jahre nach dem Druck eines Beitrages, der sich mit dem bebauten östlichen Teil des Bezirks Wilmersdorf beschäftigt, vorlegen
zu können. "
«Zur Behandlung stadtgeographischer Fragen in der 10. Klasse am Beispiel des Berliner Bezirks Wilmersdorf”, Festschrift für Helmut Winz, Berlin 1980, Seite 1 – Seite 60.
Nach einem Vortrag in der Kongreßhalle auf dem Deutschen Schulgeographentag 1974 nach Untersuchungen in verschiedenen Klassen in den Jahren 1973 und 1974.
Als Einstieg: Ein Gartenquiz!
Einige Fragen sind sicher leicht, andere schwerer. Bitte mal versuchen, bevor man die Antworten, die teilweise ausführlicher erst im Zusammenhang in den Kapiteln Vorgeschichte bzw. Gründung der Kolonie bzw. Vergleich von Karten und Plänen gegeben werden, liest.
1. In welchem Jahr wurde die Kolonie gegründet? 2. Was war hier eigentlich vorher? 3. Welche Persönlichkeit wird namentlich warum im Namen unserer Kolonie genannt? i 4. Warum Jagen 84? Wer wir hier gejagt und wo liegen 83 und 85? 5. Welche grundlegende Eigenschaft haben unsere Böden und wie ist das zu erklären? 6. Wie wird unsere Kolonie eingeteilt? Konkret: Wie viele Wege und Parzellen? 7. Wie werden die Parzellennummern gezählt? 8. Ich die Parzellenzahl gleich geblieben oder hat sie ab- bzw. zugenommen? 9. Wie groß ist eine durchschnittliche Parzelle etwa? 10. Welche Fläche hat die gesamte Kolonie? 11. Wie lange braucht man, um die Kolonie zu Fuß (ohne Pausen) zu umrunden? 12. Welche Vorsitzenden der Kolonie sind namentlich noch bekannt? 13. Ist die Zahl der Vorsitzenden größer oder kleiner als die Zahl der Bundeskanzler bzw.
Bundespräsidenten? 14. Machen Sie als Krönung (besser mit Bleistift) eine Skizze der Kolonie ohne einzelne
Koloniewege und Parzellen) in ihrer Umgebung im Raum S-Bhf. Grunewald bzw.
Heerstraße bis zum Teufelsberg bzw. Teufelssee. Wo liegt Norden? Maßstab (ca.)? Nun zu den Antworten: 1.1947 2. Kiefernforst, der in der Notzeit vor Koloniegründung abgeholzt wurde. 3. Wilhelm Naulin, dem damaligen 1. Vorsitzenden des Bezirksverbandes Wilmersdorf, der sich um die Gründung der Kolonie sehr verdient gemacht hat. 4.vgl. Vorgeschichte, 83 liegt nordöstlich, 85 südwestlich 5. Sandig, bedingt durch die Eiszeit, da wir auf einem Sander liegen (vgl. Vorgeschichte). Sand besteht überwiegend aus Siliziumdioxid, die Bestandteile sind meist …gross und ziehen sich nicht so stark an, wie kleinere Tonbe-
standteile (aus Alumosilikaten bestehend). Dadurch werden weder Wasser noch Nähr-stoffe verstärkt angelagert (vgl. Lehrbücher der Bodenkunde bzw. Chemie).
6.7 Wege und 394 Parzellen. 7. Es geht im Südwesten los, links fast ungerade, rechts gerade (mit Ausnahmen) 8. Gesamtfläche gleichgeblieben, Doppelparzellen weniger, aber Gemeinschaftsparzellen mehr (vgl. Kapitel 8). 9. Ca. Ilm x 25m 10. Ergibt sich aus der Parzellenzahlfläche und der Wegflächen. Die Gesamtseitenlänge kann aus 9 etwa errechnet werden. Da meist 29 Parzellen an einer Wegseite liegen, ergeben sich etwa 320 m in der Länge, bei 14 Parzellen an 7 Wegen in der Breite und den 8 Wegen etwa 370 m. Die Kolonie ist fast ein Quadrat! Gesamtfläche damit etwa 120 000 qm oder 12 ha (eine kürzere Antwort war mir nicht möglich!). 11. Aus 10. etwa zu errechnen: 2 x 320m und 2 x 370 m ergeben ca. 1400 m. Also etwa 20 Minuten! Eigentlich doch nicht viel!
12. 8: Thyssen, Haller, Köhler, Schubert, Anklam, Bewert, Jeschke und Bock- Saygin.
13. 8: Adenauer, Ehrhardt, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder und Merkel.
Bei den Präsidenten – durch die relative Inflation der letzten Jahre – 10: Heuss, Lübke, Scheel, Heinemann, Carstens, Rau, Herzog, Köhler, Wulff und Gauck. 14. Siehe Skizze.
Einige Fragen sind sicher leicht, andere schwerer. Bitte mal versuchen, bevor man die Antworten, die teilweise ausführlicher erst im Zusammenhang in den Kapiteln Vorgeschichte bzw. Gründung der Kolonie bzw. Vergleich von Karten und Plänen gegeben werden, liest.
In welchem Jahr wurde die Kolonie gegründet?
Was war hier eigentlich vorher?
Welche Persönlichkeit wird namentlich warum im Namen unserer Kolonie genannt?
Warum Jagen 84? Wer wir'hier gejagt und wo liegen 83 und 85?
. Welche grundlegende Eigenschaft haben unsere Böden und wie ist das zu erklären?
Wie wird unsere Kolonie eingeteilt? Konkret: Wie viele Wege und Parzellen?
Wie werden die Parzellennummern gezählt?
. Ich die Parzellenzahl gleich geblieben oder hat sie ab- bzw. zugenommen?
9. Wie groß ist eine durchschnittliche Parzelle etwa?
10. Welche Fläche hat die gesamte Kolonie?
11. Wie lange braucht man, um die Kolonie zu Fuß (ohne Pausen) zu umrunden?
12. Welche Vorsitzenden der Kolonie sind namentlich noch bekannt?
13. Ist die Zahl der Vorsitzenden größer oder kleiner als die Zahl der Bundeskanzler bzw. Bundespräsidenten?
14. Machen Sie als Krönung (besser mit Bleistift) eine Skizze der Kolonie – ohne einzelne Koloniewege und Parzellen) "in ihrer Umgebung im Raum S-Bhf. Grunewald bzw. Heerstraße bis zum Teufelsberg bzw. Teufelssee. Wo liegt Norden? Maßstab (ca.)?
Nun zu den Antworten:
1. 1947 2. Kiefernforst, der in der Notzeit vor Koloniegründung abgeholzt wurde.
3, Wilhelm Naulin, dem damaligen 1. Vorsitzenden des Bezirksverbandes Wilmersdorf,
der sich um die Gründung der Kolonie sehr verdient gemacht hat. 4.vgl. Vorgeschichte, 83
liegt nordöstlich, 85 südwestlich 5. Sandig, bedingt durch die Eiszeit, da wir auf einem
Sander liegen (vgl. Vorgeschichte). Sand besteht überwiegend aus Siliziumdioxid, die
Bestandteile sind meist …gross und ziehen sich nicht so stark an, wie kleinere Tonbe-
standteile (aus Alumosilikaten bestehend). Dadurch werden weder Wasser noch Nähr-
stoffe verstärkt angelagert (vgl. Lehrbücher der Bodenkunde bzw. Chemie).
6.7 Wege und 394 Parzellen. 7. Es geht im Südwesten los, links fast ungerade, rechts
gerade (mit Ausnahmen) 8. Gesamtfläche gleichgeblieben, Doppelparzellen weniger, aber
Gemeinschaftsparzellen mehr (vgl. Kapitel 8). 9. Ca. 11m x 25m 10. Ergibt sich aus der
Parzellenzahlfläche und der Wegflächen. Die Gesamtseitenlänge kann aus 9,etwa
errechnet werden. Da meist 29 Parzellen an einer Wegseite liegen, ergeben sich etwa 320
m in der Länge, bei 14 Parzellen an 7 Wegen in der Breite und den 8 Wegen etwa 370 m.
Die Kolonie ist nur fast ein Quadrat! Gesamtfläche damit etwa 120 000 qm oder 12 ha
(eine kürzere Antwort war mir nicht möglich!). 11. Aus 10. etwa zu errechnen: 2 x 320m
und 2 x 370 m ergeben ca. 1400 m. Also etwa 20 Minuten! Eigentlich doch nicht viel!
12. 8: Thyssen, Haller, Köhler, Schubert, Anklam, Bewert, Jeschke und Bock-Saygin.
13. 8: Adenauer, Ehrhardt, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder und Merkel.
Bei den Präsidenten – durch die relative Inflation der letzten Jahre – 10: Heuss, Lübke,
Scheel, Heinemann, Carstens, Rau, Herzog, Köhler, Wulff und Gauck. 14. Siehe Skizze.
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Einige Gedanken über Gärten
(GartenPhilosophie1 5091 S/neus Einige Gedanken über Gärten ”, A Seitdem die Menschheit sesshaft wurde, und das ist auch erst ein paar Tausend Jahre her – im Vergleich zu ihrer Geschichte oder gar der Erde ein fast verschwindendes Nichts – hat sie sich Gärten geschaffen. Es war'einfach sinnvoll, in der Nähe des festen Wohnsitzes einige Kulturpflanzen anzubauen und einige Haustiere zu halten. Mit zunehmender Differenzierung der Menschheit kamen dann auch Gartenteile zur Erbauung und Repräsentation dazu. Zum Glück sind aus vielen Epochen und Ländern einige dieser Luxusgärten der Reichen auf uns gekommen und bilden heute Schmuckstücke bei Besichtigungsreisen oder dienen auch zur Erholung der ortsansässigen Bevölkerung. Die Bedeutung der Weltreligionen sei hier nur im Zusammenhang mit christlichen Klostergärten oder Gärten des Zen-Buddhismus in Japan erwähnt.
Wer sich in Berlin über verschiedene Gärten informieren möchte, hat dazu in Marzahn in den “Gärten der Welt” eine großartige Gelegenheit. (( Als Anmerkung: Ich erwähne hier auch das mit Herzblut geschriebene Buch “Kleine Paradiese” von Ehlert Puvogel, von dem zu hoffen ist, das es spätestens bis zur BUGA in Marzahn im Jahre 2017 neu aufgelegt sein wird (die vergriffene Erstauflage kann bei mir ausgeliehen werden!)).
Im griechisch-römischen Altertum pflegte Epikur mit seinen Schülern in seinem Garten zu philosophieren. Im Lateinunterricht der Schule hätte ich damals nicht gedacht, dass der für uns so trockene Cicero folgenden Ausspruch gemacht hat: “Nennst Du einen Garten dein Eigen und besitzt du dazu eine Bibliothek, dann wird es dir an nichts mangeln”. Jetzt, im Alter, kann ich dies nur unterstreichen. Während aber sowohl Epikur als auch Cicero die Gartenarbeit wohl eher durch Sklaven haben ausführen lassen, war z.B. für Hermann Hesse – der uns später noch zweimal begegnen wird – Gartenarbeit ein Ausgleich für seine künstlerisch-literarischen Betätigungen. Ja, selbst unser Berliner Vorzeigerusse Wladimir Kaminer war einige Jahre Kleingärtner und hat darüber auch ein Buch geschrieben, in welchem sich einige Kapitel ganz launig lesen. Sicher hat er auch noch die Zeit des “Datschismus” – des Rückzugs in den privaten Bereich – in der alten Sowjetunion kennengelernt, die ja auch in der DDR eine bedeutsame Rolle spielte.
Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert unsere Städte immer größer und industrieller wurden, kam der Gedanke auf, für die schwer arbeitende Bevölkerung einen Ausgleich zu schaffen durch die Anlage von Kleingärten, die naturlich damals – auch in Anbetracht der kargen Löhne – noch überwiegend die Funktion der Versorgung mit zusätzlichen Nahrungsmitteln hatten: der Schrebergarten war geboren! Benannt nach Dr. Schreber, dessen Idee noch heute in Leipzig in einem sehenswerten Museum und dazugehörenden Musterparzellen und Lauben gezeigt wird. Auch für uns spielte in der Nachkriegszeit zunächst
die zusätzliche Versorgung eine große Rolle. Schätzen wir uns heute glücklich, das die Notwendigkeit trotz kleingärtnerischer Nutzung heute nicht mehr in dem Maße gegeben ist!
Aber auch in unserer Zeit spielen kleine, wohnungsnahe Gärten sowohl für Familien mit Kindern als auch im Alter als Betätigungs- und Besinnungsfeld eine wichtige Rolle.
Betrachtet man unsere schöne Kolonie, so fällt zunächst die große Unterschiedlichkeit der Gestaltung bei meist gegebener Einheitsgröße von etwa 275 qm pro Parzelle auf. Die Holz- und Steinhäuschen stehen mal nah am Eingang, mal in der Mitte, mal weiter hinten. Dadurch ergibt sich ein buntes Bild, welches vielleicht demjenigen, der mehr alles in Reih und Glied haben möchte, etwas stören wird. So ist durch die Baulichkeiten schon ein wenig vorgegeben, ob es sich um einen “Hallo-Garten” oder um einen “Igel-Garten” gewählt, sondern vom Vorgänger übernommen. Beim Hallo-Garten ist alles übersichtlich angeordnet, wenn die Häuslichkeit hinten ist, kann man vom Weg aus die Gartenfreunde hinten am Kaffeetisch sitzen sehen und wird vielleicht von Weitem eben mit Hallo gegrüßt. Bei den Igel-Gärten, die natürlich durch die Heckenbegrenzung nur eingeschränkt möglich sind, möchten die Gartenfreunde mehr ihre Ruhe haben und sich auf sich selbst besinnen… Beide grundsätzlichen Konzepte haben ihre Berechtigung, natürlich gibt es auch Übergangsformen dazu. Ein wenig sind damit die Parzellen mit der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen italienisch-französischem Gartenanlagen aus Renaissance und Barock im Gegensatz zum englischen Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts vergleichbar, natürlich in Grenzen…
Von Außenstehenden werden die Kleingärtner manchmal ein wenig belächelt. Doch gibt es bei vielen “Laubenpiepern” eine Form der praktischen Intelligenz und Weisheit, die man jedem modernen Großstädter nur wünschen kann.
Jeder hat seine unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Garten, abhängig vom Lebensalter, vom Beruf, von der im Garten verbrachten Zeit … Einige werden hier schon ihre Jugend erlebt haben, vielleicht ist sogar mancher im Garten bewusst oder unbewusst gezeugt worden! Einige sind bereits in zweiter oder gar dritter Generation in der Kolonie, Andere erst seit Kurzem zu Gartenfreunden geworden. In der Jugend wird man die Dinge anders empfinden als in den mittleren Jahren oder im Alter. Werden in der Jugend oft wohl mehr die Freunde und die Umgebung – ob Teufelssee und Teufelsberg, Wald oder Kiesgrube eine größere Rolle spielen, so werden in den mittleren Jahren oft durch den Berufsalltag und die Versorgung der Familie Gedanken und Zeit im Garten eingeschränkt sein, im Alter – sofern man rüstig ist – entfaltet der Garten sicher seine eigene Erlebniskraft. Traurig, wenn dann die nachlassenden Kräfte die
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zeitlich vorhandenen Möglichkeiten der Gestaltung einschränken werden. Aber so ist der Garten eben auch ein Spiegelbild des menschlichen Lebens. Unnachahmlich hat dies Hermann Hesse in seinem berühmten Gedicht “Lebensstufen” ausgesprochen, von dem ich hier nur die ersten Zeilen wiedergeben möchte: “Wie jede Blüte welkt, und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern”…
Ein Garten umfasst alle Seinsbereiche. Wir finden hier alle vier ursprünglichen Elemente der abendländischen Philosophie vertreten. Erde in der unterschiedlichen Ausprägung der Böden, Wasser und Luft sowohl im Boden als in der Atmosphäre. Feuer wird von der täglich neu erscheinenden Sonne, in neuerer Zeit ergänzt durch andere Energieformen, repräsentiert. Stellen wir diesem Bild die chinesische Sichtweise gegenüber, so kommen dort auch die Elemente Holz und Metall in reicher Fülle im Garten vor, denn was wäre ein Garten ohne
"Bäume und Leben oder auch die unterirdischen Wasserleitungen aus Metall!
Luft gibt es hingegen bei den Chinesen nicht als ursprüngliches Element!
Im Gegensatz zur Wohnung ist ein Garten ein “offenes System”, in dem z.B. die Vögel rein- und rausfliegen, aber auch die Besitzer daran denken müssen, das die Zäune keine Grenzen bezüglich der Laute und Gerüche darstellen, wie ja auch zumindest Teile des Gartens jederzeit im Gegensatz zur Wohnung von außen eingesehen werden können. Da der Garten auch den Pflanzen und Tieren gehört, ist es vielleicht schön, wenn in späteren Gartenblättern nicht nur über lustige oder nachdenkliche Erlebnisse mit Menschen, sondern auch mit Pflanzen und Tieren berichtet wird. Ja, vielleicht gibt es sogar jemand, der mit seinen Pflanzen spricht und sich traut, darüber zu berichten. Leider haben wissenschaftliche Nachprüfungen wohl ergeben, dass z.B. Musik kaum Einfluss auf das Pflanzenwachstum hat, im Gegensatz zu Tieren – nicht nur bei den Kühen von Kyoto in Japan! Neuere Forschungen, die jetzt das Wachstum der Wurzelspitzen verschiedener Pflanzen zur optimalen Durchdringung des Bodens untersuchen – damit wäre Kommunikation untereinander gegeben – haben gerade erst begonnen! Darüber forscht z.B. Stefano Marcuso in Florenz (Buchtitel: Die Intelligenz der Pflanzen, deutsch 2013). Auch kann man – nachdem die Wissenschaften in den letzten gut zwei hundert Jahren auf allen Gebieten sehr weit gekommen sind – einschließlich vieler segensreichen Anwendungen auch durchaus von Versuchen zur “Wiederverzauberung der Welt” gesprochen werden. Dafür möge hier abschließend das Buch des bekanıft9n Biologen Rupert Sheldrake (Titel: Der Wissenschaftswahn, deutsch 2012) stehen.
Diese wenigen Andeutungen mögen hier genügen, um das unendliche Thema ein wenig zu umgreifen.
Zur Umgebung der Kolonie
Bienenzucht – über die auch ein Faltblatt informiert – sicher vor allem auch für die Hobbyimker aus der Kolonie u.a. interessant. Auf den Teufelssee hat man vom freigelegten oberen Weg jetzt einen schönen Blick auf Seerosen und den je nach Sonnenstand glitzernden See. Also unbedingt auch den Fotoapparat mitnehmen. Der Teufelssee wird auch über das Ökowerk etwas mit Wasser aufgefüllt. Dies merkt man beim Schwimmen im See an den geringen Temperaturunterschieden auf wenigen Metern! Auch mit dem Teufelsberg ist das Ökowerk insofern verbunden, als manchmal Filme oder auch Vorträge über den “Horchposten der Allierten” auf dem Teufelsberg – der bis Moskau gereicht haben soll – gehalten werden. Diesen “Berg” können Sie auch in Begleitung der/s Bezirksbürgermeisterin/s erklimmen – je nach Wahlperiode! Er ist inzwischen (Bodenoberfläche!) sOgar ein paar Meter höher als die natürlichen Müggelberge (eiszeitliche Endmoräne!) mit 115 m ! Aber inzwischen ist wohl in Ahrendsfelde (überprüfen!!) ein künstlicher Berg in Arbeit, der mit über 120 m dann schon subalpine Höhen erreichen wird. Am Teufelsberg, wo früher einmal eine Skichance und eine,Bobbahn waren, hat man inzwischen erkannt, dass Garmisch-Partenkirchen dafür wohl mehr geeignet ist. Dafür sind aber anderen Aktivitäten hinzugekommen, die aktiv oder passiv gerne angenommen werden. So etwa die Drachenfliegerei auf dem kleinen Teufelsberg, neben Picknick auf der fast ebenen Oberfläche, normalen Drachen usw. Selbst am Sylvesterabend wird dieser kleine Berg gern erklommen, da man hier abhängig von der Wetterlage – eine gute Aussicht auf das Feuerwerk über Berlin hat. Denken Sie aber bitte danach, dass Sie dann bei Temperaturen unter Null Grad trotz Sekt noch so stand – und gehfest sind, dass der Abstieg nicht zur Schlitterpartie wird. Vom kleinen Teufelsberg schweift der Blick zum leicht “Zerzausten” großen Bruder, wo immer noch die Reste der Abhörstation der USA (und von GB als zweitem Betreiber) ihrer Zukunft entgegenharren. Zerzaust deswegen, weil das Gelände nach Aufgabe nach der Wiedervereinigung durch zahlreiche positiv “Kunst am Bau”-genannte Veränderungen hervorstechen. Eine Besichtigung – nicht nur wegen der Aussicht – ist lohnend (Eintritt, Führungen). Auch, wenn man die noch gute Akustik in den Turmkugeln erlebt oder die Grundrisse von einst geplanten Chicki-Micki-Wohnungen erstaunt wahrnimmt. Ein buntes Kunstvölkchen hat sich hier auf dem ehemals abgesperrten Gelände (mit drohenden Stelltafeln: Fotografieren und Klettern verboten, Gefängnisstrafen drohen!) inzwischen angesiedelt. Kaum zu glauben, dass die einst kahle Trümmerlandschaft vor allem an den Rändern von teils dichtem Wald gesäumt ist. Eine Wanderung unter fachkundiger Führung – z.B. einem Förster am Tat der Natur z.B. – ist empfehlenswert. Ich erinnere noch (vgl. Gesichten) wie ich in Mitte der 50er Jahre noch auf der nahezu vegetationslosen Fläche Filmaufnahmen zu einer
[ Bruchlandung erlebt hatte und wie ‚gegehrt der Trümmerberg auf Grund seiner zahlreichen Bauelemente für viele Gartenfreunde war (vgl. Geschichten). Übrigens ist unser Grunewald im Jahre 2015 zum “Wald des Jahres” auserkoren worden, ein Grund mehr, dass dieses 1. Heft der “Gartenblätter” noch in diesem Jahr erscheinen sollte. Auf einem der Teufelsberge stehend mit weitem Blick bis zum Grunewaldturm (ehemals Kaiser-Wilhelm-Turm) auf die Havelberge, bis zu den beiden Stadttürmen (“lange Lulatsch” unmittelbar am Rand des nordöstlichen Grunewalds) bis zum Fernsehturm am Alexander- Platz im Zentrum der Stadt, wird einem kaum bewusst, das unter den Bergen noch die Reste der noch Ende der 30er Jahre geplanten “Wehrtechnischen Anstalt” des Nationalsozialismus ruhen. Wer sich mehr für die Geschichte der Teufelsseeberge interessiert, sei auf … verwiesen, grundsätzlich über den Grünewald – nach wie vor – Mielke, vgl. auch meine Rezension aus der Zeitschrift “Die Erde” der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin (1975,,,,).. Zum Schluss kehre ich noch einmal zum Teufelssee zurück! Ein typisches “Toteisloch” (vgl. Kap. 5) durch Lage im Grundwasserbereich um 33 m noch heute ein See und kein verlandetes Moor. Vor Jahrzehnten gab es dies nicht nur – wie heute – im Naturschutzgebiet Teufelsmoor auf der geschützten Seite des Teufelssees, sondern auch in Resten noch auf der anderen Seite, wo vor vielen Jahren die Fläche des “Teufelsgrills” (eigene Sprachschöpfung!) aufgeschüttet wurde. Diese wird immer zahlreicher von Freikörperkulturfreunden – am Parkplatz tauchen auch PKWs mit Kennzeichen P auf – angenommen. Noch aber ist das Baden im Teufelssee auch in Textil erlaubt! In meiner Jugend war es natürlich umgedreht, vgl. die Eingangsstory dieses Kapitels über Helios. Auch das für die Nutzung freigegebene Seeufer unterliegt stärkerer Erosion, durch querlegende Baumstämme ein wenig abgemildert. Aber wir hatten ja schon gesehen, dass auch an der Sandgrube trotz Zaun die Erosion an den Sanderhängen weitergeht! Die schön gelegene DLRG-Station am Zaun zum Ökowerk sorgt in den Sommermonaten für den Schutz der Badenden, ein Floss auf dem See dient als Kommunikations- und Ruhepunkt auf dem See, in ruhigen Stunden auch gern von Stockenten oder sogar Reihern genutzt.
Vorgeschichte des Gebietes
Garten150913Grunewald Vorgeschichte
Als der Schwede Torell 1875 in einem Vortrag in Berlin erstmals davon sprach, dass Inlandeis von Skandinavien mehrfach bis in die norddeutsche Tiefebene vorgedrungen sei, wollte ihm zunächst keiner glauben. Er hatte aber im Rüdersdorfer Kalk Gletscherschrammen, wie sie ihm aus seiner skandinavischen Heimat bekannt waren, gefunden. Auch ließen sich so die zahlreichen “Findlinge” – bestehend aus in Skandinavien anstehenden Gesteinen – erklären (vorher durch Annahme der Verfrachtung über Eisberge im Meer erklärt). Schon um 1900 war dann aber diese Eiszeittheorie – verbunden mit der sogenannten “Glazialen Serie” – durch zahlreiche Feldforschungen bestätigt. Vielleicht erinnert man sich noch an die Abfolge Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal aus dem Erdkundeunterricht in der Schule.
Danach liegt also unsere Kolonie auf einem eiszeitlichen Sander. An der Sandgrube im Jagen 86 kann an den Hängen und dem Resthügel gut die Vorstellung entwickelt werden, dass es sich hier amfluvioglaziale Ablagerungen durch das Abschmelzen des Inlandeises handelt. Vor etwa 20 000 Jahren war unser Raum wieder eisfrei. Das Inlandeis hatte sich durch Temperaturerwärmung zwar nicht nach Norden “zurückgezogen”, aber es war immer weniger Eis von dort nach Süden vorgedrungen. Die Frage, warum es in den letzten paar Millionen Jahren zu etwa 4-5 Eiszeiten kam, ist wissenschaftlich immer noch nicht eindeutig geklärt, auch ist die Frage offen, ob und wann es nach einer Periode der gegenwärtigen Klimaerwärmung wieder zu einer weiteren Eiszeit kommen kann. Für uns ist sicher nur schwer vorstellbar, dass einmal mehrere hundert Meter hoch Inlandeis über unseren Köpfen und heutigen Gärten gelegen hat.
Während die Großgliederung durch die oben angesprochene glaziale Serie gut erkannt werden konnte – vgl. entsprechende Karten im Schulatlas – sind die lokalen Verhältnisse oft schwierig rekonstruierbar. Dies liegt z. T. auch daran, dass nicht nur die letzte, die Weichseleiszeit, ihre Wirkungen hinterlassen hat, sondern auch die Ablagerungen der vorhergehenden Elster- und Saaleeiszeit ja in die der Weichseleiszeit eingearbeitet wurden.
Die Geomorphologie der Oberflächenformen im Berliner Raum wird z.B. gut im Berliner Planungsatlas von 1962 in Karte 183 von Hagedorn und Hövermann dargestellt. Meine Ausführungen über den Grunewald beziehen sich im Wesentlichen auf die geographische Dissertation von Hans-Jürgen Mielke 1971 (Nachdruck 1975) mit dem Titel: “Die kulturlandschaftliche Entwicklung des Grunewaldgebietes” (von mir rezensiert in der Zeitschrift “Die Erde” 1976).
Der Teufelssee wird als sogenannte Toteisbildung gedeutet. Vom Inlandeis hatten sich stellenweise einzelne isolierte Eismassen durch dynamische Bewegungen vom Hauptkörper getrennt und waren dann erst später unter
Nachstürzen des überlagernden Materials abgeschmolzen. Wenn diese Vertiefungen im Niveau des heutigen Grundwasserspiegels liegen, können sie Seen bilden. Viele sind aber in den letzten paar Tausend Jahren inzwischen verlandet, wodurch es dann zur Fenn- und Moorbildung gekommen ist. Nach der letzten Eiszeit war unser Gebiet natürlich zunächst eine Tundra, wie heute noch in Nordeuropa anzutreffen, der Wald, der sich dann allmählich bildete, hatte auch temperaturbedingt – zunächst eine andere Zusammensetzung als unsere heutigen Forsten. So waren Birken, Hainbuchen, auch Eichen früher weiter bei uns verbreitet. Die Dominanz der Kiefer setzte eigentlich erst mit der Einführung einer mehr geregelten Waldwirtschaft ein. Ab 1755 – also zur Zeit Friedrich II. – wurde der Grunewald in regelmäßige Schläge eingeteilt. Da diese für Jagden mit Netzen teilweise abgesperrt wurden, hat sich der Name “Jagen” eingebürgert. Dabei ist aber interessant, dass Friedrich II. und seine Nachfolger eigentlich keine großen Jäger mehr waren. Früher wurde der Wald nicht nur zur Holzentnahme – bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Brennstoff – genutzt. Auch die Waldweide wurde im Grunewald noch bis ins 19. Jahrhundert betrieben. Davon zeugen zahlreiche Hütungs-rechte und Verordnungen. So zeigt die Abb. 5 bei Mielke den Zustand der Kulturlandschaft (des Grunewaldes) um 1850 mit mehreren Ruheplätzen für Viehtreiber in der Nähe der Allee (wo heute Bahn und Avus durch den Grunewald ziehen). Die Abb. 6 um 1882 zeigt diese aber nicht mehr. Auf ihr kann aber gut die Einteilung in Jagen abgelesen werden. Es beginnt mit dem Jagen 1 am Dorf Schmargendorf in südwestlicher Richtung, springt nach Nummer 14 an der Krummen Lanke dann zur 15 am Halensee bis zur 49 am Schlachtensee, dann 50 westlich vom Lietzensee, um südöstlich von unserem Jagen 84 die Nummer 56 zu tragen. Folgerichtig liegt dann das Jagen 83 nordöstlich, das Jagen 85 nordwestlich von unserer Kolonie. Im Nordwesten hingegen schließt sich das Jagen 110 an, das natürlich schon der nächsten Kolonne angehört. Das ganze endet schließlich mit dem Jagen 159 auf Pichelswerder. Man kann diese Einteilung auch an den Jagensteinen erkennen, die sich jeweils an der Grenze zwischen vier Jagen befinden.
Diese Steine sind eine ebenso gute Einrichtung, wie die Zuordnung der Parzellen zu den sieben Wegen jeweils durch Tafel an den Kolonieeingängen des Hauptweges!
Die auf der folgenden Seite als vergrößerter Ausschnitt einer Karte von 1905 im Originalmaßstab 1: 25 000, zeigt bei der Jageneinteilung, das z.B. im Schmargendorfer Raum einige Jagen schon für die Bebauung vorgesehen sind. Der westliche Kurfürstendamm ist noch teilweise unbebaut, auch fehlt die Kantstraße am Lietzensee. Die Landschaft nördlich unserer Kolonie ist kaum wiederzuerkennen! Im Jagen 84 fällt auf, das der südöstlichen Teil – wo 42
Jahre später unsere Kolonie entstehen wird – zahlreiche Pfade das Gebiet durchziehen. Zum Wasserwerk am Teufelssee – seit 18… bestehend, ist mit schwarzer Linie wohl schon eine Straße dargestellt. Einzelheiten sind leider auf der Kopie bezüglich der Höhenlinien und Nutzung nicht zu erkennen.
In der hier nicht wiedergegebenen Kartenlegende wird der Wald nicht weiter differenziert. Es wird sich aber überwiegend um Kiefernforst handeln.
Die heutige Waldwirtschaft ist inzwischen von der Dominanz der reinen Kiefernschläge zugunsten einer stärkeren Durchmischung mit verschiedenen Laubbäumen abgekommen.
So viel in aller Kürze über einige Aspekte der Eiszeit und des Grunewaldes, die in aller Breite dargestellt, natürlich formatsprengend wären!
Gern werde ich in späteren Blättern diese Darstellung bei Interesse ausweiten und korrigieren, falls mir bis dahin entscheidende neuere wissenschaftliche Erkenntnisse bekannt werden sollten!
Gründung der Kolonie
Ga150901 . Gartenblätter – Koloniegründung ENTWURF!&- Wird. weirsbearzeiter Ob schon in den letzten Kriegsjahren oder unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg der Wald auf der Koloniefläche abgeholzt wurde, kann nicht genau gesagt werden. Im frühesten Aktenvermerk im Landesarchiv heisst es “Der Militärkommandant von Wilmersdorf hatte im Herbst 46 angeordnet, dass ein Teil der Kahlschlagflächen im Jagen 84, in der Nähe der Revierförsterei Eichkamp, an Brachlandsiedler verpachtet werden sollte.” Dieses wurde dann im datierten Schreiben von Fri an das Gartenamt Wilmersdorf vom 11.7.47 aufgegriffen, aber allgemein von ”kurzer Dauer” gesprochen, während im 1. Dokument “für die Dauer der schwierigen Ernährungslage, voraussichtlich 2-3 Jahre” steht. Die Kahlschlagfläche im südöstlichen Teil des Jagen 84 hat also zur späteren Koloniegründung geführt. (Insofern könnte man uns – wenn auch makaber – als Kriegsgewinnler bezeichnen!). Aus der Anfangszeit gibt es eine Fülle von Dokumenten, die überwiegend im Landesarchiv Berlin zu finden sind. Sowohl das damals noch in Friedrichshagen befindliche und für Gross- Berlin zuständige Hauptforstamt (Fri) als auch die lokale Verwaltung Grunewald (Gru) wie auch das Bezirksamt Wilmersdort (Wi) mit diversen Unterabteilungen, die Stadtverwaltung Berlins bis hin zu den Bürgermeistern und vor allem die Britische Militärverwaltung waren an den Vorgängen um unsere Kolonie beteiligt, wie zahlreiche Dokumente belegen. Vor allem die letztere hat, auf entsprechende Anfragen von Wilhelm Naulin für den Bezirksverband Wilmersdorf, maßgeblich zur Entstehung der Kolonie beigetragen. Wir Heutigen können uns kaum noch die Not in den ersten Nachkriegsjahren in Berlin vorstellen. Es reichte oft nicht zum Lebensnotwendigsten, seien es Nahrungsmittel oder Energierohstoffe, zu denen auch Brennholz gehörte. So nimmt es eigentlich nicht wunder, dass die Antwort von Oberst Fletcher auf die Anfrage von Wilhelm Naulin positiv ausfiel. Die Dokumente seien hier als Kopie wiedergegeben (Genehmigung Landesarchiv?). Das dies nicht im Sinne des Hauptforstamtes und seiner Untergliederungen war, ist verständlich. War man dort doch an der baldigen Wiederaufforstung der Brachlandfläche interessiert, so bald dafür die Mittel wieder vorhanden seien. In der sich über Jahre hinziehenden Auseinandersetzung ging es dann vor allem um Widersprüche bei der Nutzung – hier kleingärtnerisch, dort landwirtschaftlich – , dann um die Dauer der Pacht, die erst über ein Jahr gehen sollte, was vom Bezirksverband im Hinblick auf die Kosten (Sämereien, Dünger, Wasserleitung, Einzäunung usw. ) abgelehnt wurde, was verständlich war. Später kamen dann auch noch Fragen der Abfindung – vor allem, nachdem immer mehr Holz- und Steinbauten entstanden waren – hinzu. Dieser Auseinandersetzung verdanken wir den Plan
im Maßstab 1: 1000 aus dem Jahre 1955, der im Zusammenhang mit dem Plan von 1947 und dem heutigen in einem späteren Kapitel ausführlich gewürdigt werden soll. Aus den zahlreichen Dokumenten sollen hier – neben einigen wichtigen in ganzer Länge – in Form von Zitaten interessante und wichtige Einzelheiten mitgeteilt werden. So heißt es in einem Besichtigungsprotokoll von Forsten vom 26.6.1947 “ Auf einer Anzahl Parzellen sind zum Anbinden der Tomatenpflanzen Stäbe verwendet worden, die offensichtlich als junge Forstpflanzen aus den angrenzenden Buchen und Eichen Jungholzbeständen entwendet sind. Reisig das zum Bestecken der Erbsenbeete und zur Abgrenzung der Parzellen verwendet worden ist und zum Teil noch das frische Laub hatte, konnten unzweifelhaft als ebenfalls aus den angrenzenden Jungholzbeständen entwendet werden.” usw. (fortsetzen??).” Interessanterweise taucht die Frage, inwieweit auch später zur Erntezeit auch die Kleingärtner mit Ernteverlusten durch Koloniefremde rechnen mussten, nicht auf. Dies war in den Nachkriegsjahren oft ein großes Problem in den innerstädtischen Anbaugebieten, was z.B. im Tiergarten zu entsprechendem Wachschutzmaßnahmen führte. Am 27.August 1947 erfolgte die Bitte an das Hauptforstamt, einen Pachtvertrag über fünf Jahre vorzubereiten. Tatsächlich erfolgte die Unterschrift dann erst am 16.11.1948 rückwirkend für den fünfjährigen Zeitraum ab 1.10.1947 bis 30.9.1952 mit jeweils jährlicher Verlängerung. In der Anlage die Nebenausfertigung dieses Vertrages (aus Unterlagen beim Bezirksverband). Bezüglich der mindestens fünfjährigen Pachtdauer hatte sich der Kleingartenverband durchgesetzt, der Passus bezüglich der landwirtschaftlichen Nutzung – gegenüber der kleingärtnerischen Nutzung – war entfernt worden. Ein interessantes Detail ist, dass entgegen den ursprünglichen Entwürfen nun der Pachtzins auf Mk., d.h. DM, umgestellt worden war. Bei den früheren Entwürfen – vor der Währungsumstellung Mitte 1948 – war noch von RM (Reichsmark) ausgegangen worden. Inwiefern tatsächlich schon Zahlungen in Reichsmark erfolgten, konnte nicht festgestellt werden. In einem Schreiben vom …48 war die Zahlung vom …. angemahnt worden. In der Folgezeit ist der Vertrag dann stillschweigend immer wieder verlängert worden. Weitere Streitigkeiten entstanden um die inzwischen immer zahlreicher werdenden Holz- und Steinbauten, die uns dann aber den interessanten Plan von 1955 (vorliegend im Wilmersdorfer Bezirksarchiv) beschert haben. In einem Dokument von … Entschädigung…
Ganz offensichtlich war in den Anfangsjahren der Kolonie die Zusatzversorgung mit Lebensmitteln von herausragender Bedeutung. Sicher werden auch schon hier und da Blumenrabatten und kleinere Rasenfläche
[ angelegt worden sein. Die dankenswerterweise von Gartenfreunding Dahlke
(Parz. 118) zur Verfügung gestellten Fotos zeigen interessante Details aus den Anfangsjahren. Das Foto von der Parzelle zeigt im Vordergrund zahlreiche Blumen, im Mittelgrund noch kleine Obstbäume und im Hintergrund einen Holzschuppen, der – wohl infolge von Mangel an Dachpappenstiften – noch zusätzlich mit Mauersteinen abgedeckt wurde. Der Trümmerberg hat damals für Gartenfreunde oft als Materialquelle für ihre Baulichkeiten gedient. Hinter dem Holzschuppen ist auch schon ein kleines Steinhaus zu sehen. Dabei handelt es sich – wenn wird den Plan von 1955 zu Rate ziehen (vgl. das folgende Kapitel) – wohl um die Parzelle 171. Auch die übrigen Fotos von GF Dahlke zeigen interessante Details. So etwa die an den Schuppen angrenzende “Gartenlaube”, die infolge Materialmangels mehr einer offenen Veranda gleicht. Dass zumindest schon 1952 auch bereits fröhliche Feste gefeiert wurden, dokumentieren die anderen drei Fotos. Danach ist offensichtlich der Musikpavillon – der auf dem Plan von 1955 zu sehen ist und in meiner Erinnerung auch schon 1954 existierte – 1952 noch nicht fertig gestellt. Welche Probleme auch später bei Festen bezüglich der Witterung teilweise bestanden haben, darauf geht die Rede unseres Gartenfreundes Schubert zur Eröffnung des Vereinsheimes im Jahre 1981 ein (übernächstes Kapitel). Zum Fest erscheint der 1. Vorsitzende, GF Thyssen, hoch zu Ross. Auch auf der Zeitungsbeilage (Quelle?) aus der Gründerphase sind im Hintergrund Reiter zu sehen, während im Vordergrund die Gartenfreunde ihre zugeteilte Parzelle umgraben. Dieses erfolgte im Losverfahren. Der Text weist darauf hin, dass Parzellen, die näher am S-Bahnhof Grunewald lagen, besonders beliebt waren. Ein Zeichen, dass damals viele noch zu Fuss von dort die Parzelle erreichten. Es ist von 380 Parzellen die Rede – der Plan von 1947 zeigt aber 394 ohne ausgewiesene Gemeinschaftsfläche, für die aber der Plan von 1955 fünf Parzellen zeigt. Diese Unterschiede müssen hier vorerst unbeantwortet bleiben. Der Bau der Wasserleitung – auf der Beilage durch ein interessantes Foto belegt – wird vielleicht auch in späteren Gartenblättern thematisch aufgegriffen. Das an dieser Stelle offensichtlich größere Findlinge gefunden wurden, ist für mich – nach den Ausführungen im Kapitel Vorgeschichte über die Sanderfläche schon erstaunlich. Der umliegende Wald bestand, wie die Fotos teilweise zeigen, teilweise aus Birken. Im Besichtigungsprotokoll vom 26.6.47 ist auch von Buchen – und Eichenjungholzbeständen die Rede. In den stadtnahen Jagen hat damals wohl eher ein Mischwald bestanden und kein reiner Kiefernforst.
Nach dem oben erwähnten Vertrag von 1948, rückwirkend gültig ab 1947, wurden nach langen, zähen Verhandlungen die Parzellen für den Zeitraum von fünf Jahren vergeben. Davon zeugt auch die Kopie des “Provisorischen Einweisungsscheines vom 25.4.47, die dankenswerterweise von einem GF zur
Verfügung gestellt wurde. Es wurden damals auch Mitgliedsausweise ausgestellt. Dankenswerterweise hat Gartenfreundin Woldt die Kopien von zwei Ausweisen aus den Jahren 1947 und 1966 zur Verfügung gestellt. Dabei ist vor allem interessant, dass bis 1966 die Motorisierung schon weit fortgeschritten war. Ich erinnere mich, dass meiner Mutter 1953 drei oder vier verschiedene Parzellen angeboten worden waren. Offensichtlich war zu dieser Zeit die Zusatzversorgung nicht mehr so wichtig, die Erreichbarkeit für viele aber oft noch problematisch, so dass freie Parzellen interessant, dass es wohl auch noch Angehörigen-Ausweise zusätzlich gab. Vielleicht um in der Notzeit zu garantieren, dass sich keine unbefugten Personen auf den Parzellen “zwecks Inspektion der Erträge” aufhielten. Genauere Anbaupläne – wie auch die Veränderung einzelner Parzellen in der Zeit – sind dem Autor bisher nicht bekanntgeworden. Der Gesichtspunkt der unmittelbaren Zusatzversorgung mit Lebensmitteln war wohl schon mit den 50er Jahren nicht mehr gegeben. So erinnere ich mich, dass meine Mutter 1953 bereits zwischen 3 oder 4 verschiedenen Parzellen wählen konnte. Sicher auch ein Zeichen, dass die Motorisierung noch nicht so weit fortgeschritten war und viele Kleingärtner die Parzelle noch per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und per pedes erreichten. Schon in den 60er Jahren bestanden dahingegen Parkplatzprobleme. So erinnere ich mich an nichtabgeschickte Briefentwürfe meiner Mutter, die gegen die Umwandlung einiger Randparzellen in Parkplätze war (wir hatten natürlich keinen Pkw !).
Garten150918ZweiterVertrag
Interessanterweise finden wir im Landesarchiv nach 1948 nur noch wenige Dokumente bezüglich der Kolonie. GF Naulin hatte rückwirkend am 16.11.48 den ab 1.10.1947 geltenden Vertrag (Laufzeit 5 Jahre, mit jährlicher Verlängerung) unterschrieben. Ein neuer Vertrag – der sich in den Akten des Bezirksverbandes befindet – wurde am 1.4.1953 von ihm unterschrieben (Hauptforstamt am 25.4.53).
Blicken wir auf die Berliner bzw. Deutsche Geschichte, so stellen wir fest, dass es 1948 die Währungsreform und die Luftbrücke nach Berlin und 1949 die Gründung der Bundesrepublik und der DDR gegeben hatte. Am 17. Juni 1953 brach dann der Volksaufstand in Ost-Berlin und der DDR aus. Ich nehme hier an, dass damals allgemein trotz Gründung von zwei Staaten unter “starker Beteiligung” der jeweiligen Allierten angenommen wurde, dass es bald zu einer Wiedervereinigung – zumindest für Berlin kommen würde. Nur so ist eigentlich zu erklären, dass in $ 2 des neuen Vertrages der entscheidende Satz steht: “Das Vertragsverhältnis hat mit dem 1. Januar 1953 begonnen und ist frühestens kündbar 8 – acht – Jahre nach der Wiedervereinigung von Ost- und West-Berlin mit der Maßgabe, dass die Kündigung mit der Wirkung zum Schluß des Kalenderjahres unter Wahrung einer einjährigen Kündigungsfrist zulässig ist.” Der 1.Vertrag enthält in $ 3 den Passus “Ergeht bis zum 30.6.1952 seitens der Verpächterin an Pächter nicht die Mitteilung, dass alsbald nach dem 1.10.1952 mit der Wiederaufforstung begonnen wird, so gilt der Vertrag bis zum 30.9.1953 verlängert. Sinngemäss gilt diese
Bestimmung auch für die folgenden Jahre.“ Warum es es dann schon so bald zu einem neuen Vertrag kam, der ja immerhin rückwirkend nur drei Monate nach Ende des 1. Vertrages (ohne jährliche Verlängerung) kam, kann hier nicht beantwortet werden, Akten über diesen Zeitraum sind mir nicht bekannt geworden. Vielleicht hat neben den Annahmen zur Wiedervereinigung auch eine Rolle gespielt, das eine Wiederaufforstung nicht absehbar war. Nach der Niederschlagung des Aufstandes vom 17.Juli 1953 wären die Vertragsbedingungen vielleicht andere gewesen.
Interessanterweise hat der zweite Vertrag einen Paragraphen weniger, $ 9 “Für Wildschäden finden die Bestimmungen des $ 47 des Reichsjagdgesetzes vom 3. Juli 1934 Anwendung” entfallen. Auffällig ist weiter, dass der Pachtzins pro Jahr bei 2400 DM geblieben war (wie schon ursprünglich in RM avisiert).
Frage: Text veröffentlichen ? Beide Verträge als Anlage? … Bei diesem und dem Kapitel über das Vereinsheim wird entscheidend sein, wie viele Dokumente angefügt werden. Darüber sollten wir am 20.9. sprechen.
Vergleich von Plänen und Karten
Die Besonnung unserer Kolonie im Jahreslauf.
Neulich (im Jahre 2015) fragte mich eine Gartenfreundin, wo eigentlich im Garten Südosten sei. Es ging um die Aufhängung eines Insektenhotels. Dies führte mich zu folgenden Überlegungen.
Man hat vielleicht mehr davon, wenn man eingangs versucht, die folgenden Fragen zeichnerisch zu beantworten.
Zeichnen Sie auf Din A4 die Umrisse Ihres Gartens (i. A. Ilm x 25 m) etwa im Maßstab 1: 300 (d.h. 1 cm entspricht 3 m im Garten) etwa in der Blattmitte. Wo wird sich etwa Süden, wo die anderen drei Himmelsrichtungen befinden? Warum ist Süden am einfachsten einzuzeichnen? Wo wird die Sonne etwa am 21.Juni bzw. am 21.Dezember auf- und untergehen? Wie groß wird der Winkel etwa sein, den sie an diesen Tagen bei ihrem Höchststand erreichen wird?
” Welche Folgen hat das für den Garten?
Wenn der Garten in der Nähe des Waldes liegt, können Sie morgens oder
– abends gut an den Baumsilhouetten den unterschiedlichen Sonnenstand im Tages- und Jahreslaufs ablesen. Beneidenswerterweise geht dies nicht so gut, wenn der Garten in der Mitte der Kolonie liegt (damit länger Sonne hat!). Die nächste Seite zeigt eine entsprechende Skizze mit kurzer Interpretation.
Bekanntlich wird der tägliche Sonnenhöchststand um Mittag erreicht. Da wir in Deutschland Sommer- bzw. Winterzeit haben, ist der Höchststand im Sommer um 13 Uhr, im Winter hingegen um 12 Uhr (aber immer im Süden!). Da die Mitteleuropäische Zeit für den 15. Grad östlicher Länge (vom 0. Längengrad bei Greenwich/London gerechnet) gilt, und wir bei 13,2 Grad ö.L. liegen, ist unsere Ortzeit ein paar Minuten später (unwesentlich). Die drei
– anderen Himmelsrichtungen ergeben sich fast automatisch (jeweils 90 Grad Unterschied im Vollkreis).
– Wie wird nun die Sonnenhöhe bestimmt? Natürlich kann man durch Schattenstab und größeres Papier die Schattenlänge abtragen und damit den Winkel bestimmen. So kann man sich im Ansatz eine Sonnenuhr bauen und durch oftmaliges Ankreuzen des Schattenendes der Sonne im Tages- und Jahreslauf interessante Erkenntnisse gewinnen! Es gibt aber ein einfaches (hier: überschlägig!) Verfahren, welches viel zu wenig bekannt ist, uns aber für die beiden Tage des Jahres den Sonnenhöchststand berechnen lässt!
– Der 21.Juni (manchmal auch 22.Juni!) wird Sommersonnenwende genannt, der 21. Dezember hingegen Wintersonnenwende. Wir haben jeweils den höchsten bzw. niedrigsten Sonnenstand. An diesen Tagen steht die Sonne am nördlichen bzw. südlichen Wendekreis im Zenit (senkrecht, 90 Grad). Im Sommer also mitten in. der Sahara, im Winter mitten in Australien, damit auf etwa 23,5 Grad nördlicher bzw. südlicher Breite (n. bzw. s. Br.).
– Da wir auf 52,5 Grad nördlicher Breite liegen ergibt sich eine Differenz von etwa 29 Grad zum nördlichen Wendekreis. Da die Pole nach Definition jeweils auf dem 90. Breitengrad liegen, kann die Sonne bei uns nur maximal etwa 61 Grad im Süden am 21.6. um 13 Uhr (Sommerzeit) stehen (am Nordpol dann 23,5 Grad).
– Wie hoch wird sie nun im Winter stehen? Hier müssen wir die Differenz zwischen nördlichem und südlichem Wendekreis berücksichtigen, d.h. zwei mal 23,5 Grad. Damit wird die Sonne am 21.Dezember etwa nur 14 Grad über dem Horizont im Süden stehen! Daraus ergibt sich, warum wir im Winter so wenig im Garten sind usw.!
– Mit Hilfe der obigen Rechnung können Sie auch etwa berechnen, wie hoch die Sonne an diesen Tagen auf Fernreisen etwa über dem Horizont stehen wird. Vielleicht noch eine interessante Zahl, die leider auch viel zu wenig für verschiedene Überlegungen benutzt wird: der Abstand zwischen zwei Breitengraden beträgt 111 km – entspricht damit meiner Parzellennummer!
Im 19. Jahrhundert wurde ja das Meter als der 10millionste Teil des Abstands zwischen Äquator und Nordpol definiert (damit der Äquatorumfang etwa 40 000 km). Mit dieser einen Zahl kann man viel anfangen, was aber über die Größe unserer Gärten weit hinausgeht!
Vielleicht habe ich durch diese kurzen Ausführungen ein wenig das Interesse an Sonnenständen, Sonnenuhren usw. geweckt. Auch den Mond können wir im Garten gut auf- und untergehen sehen. Da hinke ich aber noch zurück und erspare mir hier weitere Ausführungen. Leider sehen wir ja in unseren Breiten bei der Nähe Berlins die Sterne nicht so gut, wie dies in mehr oder weniger unbewohnten Gebieten der Erde der Fall ist. Früher hatten die Menschen da mehr praktische Erfahrungen als wir fortgeschrittenen Stadtbewohner – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel!
Vielleicht abschließend noch eine Bemerkung über den 21.März bzw. den 23. September: die sogenannten Tag- und Nachtgleichen, gleichzeitig damit Frühlings- und Herbstanfang. An diesen Tagen geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Der Sonnenhöchststand – am Äquator mittags im Zenit beträgt dann genau die Hälfte zwischen Sommer- und Winterhöchststand, also etwa 37,5 Grad im Süden (im März um 12 Uhr, im September um 13 Uhr). Sollten Sie den Sonnenstand im Tages- und Jahreslauf aufzeichnen, so werden Sie interessante, praktisch verwendbare Kurven im Laufe der Zeit erhalten! Vielleicht kommen Ihnen die obigen Ausführungen albern vor, ich bin leider erst Anfang meines 8. Lebensjahrzehnts auf eine nähere Beschäftigung damit gekommen! Die weitreichenden Folgen, die’sich aus dem Sonnenstand für das Klima und unsere Pflanzen im Garten ergeben, erspare ich mir an dieser Stelle!

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Gartenerlebnisse aus sechs Jahrzehnten
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Kleine Geschichten aus der Kolonie.
Hier folgen nun einige persönliche Erlebnisse aus den letzten sechs Jahrzehnten die ich nun schon – zunächst durch meine Mutter Hildegard Aufermann (gest. 1970) – in der Kolonie bin.
Interessant sind natürlich Ereignisse der Deutschen Geschichte, die man im Garten erlebt hat. So etwa 1954 das “Wunder von Bern”. Wir saßen an einem schönen Sommertag mit unseren Transistorradios sehr zahlreich in den Gärten und eine Welle der Begeisterung ging beim 3:2 gegen Ungarn durch die Kolonie. Wir waren endlich wieder wer!
Oder auch Sonntag, der 13. August 1961, wo morgens im Radio die Meldung von den Grenzsperrungen kam. Ich nahm mein Fahrrad und radelte vom Garten zum Brandenburger Tor, wo ausgerollte Stacheldrahtrollen den Verlauf der zukünftigen Mauer markierten. Zwei Tage später hatte ich zufällig große Vorteile von den Ereignissen, denn ich flog von Tempelhof nach London um vier Wochen durch England und Schottland zu trampen. Da ich zwei große Fahnen (D und GB), auf dem Rucksack einen Wimpel mit Berliner Bären und anfangs 30 Brandenburger-Tor-Abzeichen dabei hatte, wurde die Reise zum großen Erfolg, obwohl ich sagte, dass ich nicht geflüchtet, sondern von West- Berlin aus abgeflogen sei! Ich hatte meine Abzeichen mit den Worten “and here as symbol of freedom and liberty in Germany, I give you the so called Brandenburger Gate” überreicht – was mir die kostenlose Einladung auf englischen Landsitzen und schottischen Schaffarmen einbrachte….
Gute 28 Jahre später dann – ich saß zu Hause bei Korrekturen am Schreibtisch – wollte meine Frau Ute mit dem Hund aus dem Garten mit dem Bus vom Schmetterlingsplatz zurückfahren, aber über längere Zeit kam kein Bus. Als endlich einer kam und die Wartenden sich beschwerten, war die Antwort des Busfahrers: Zur Zeit ist kaum ein Durchkommen durch die vielen Trabbis auf dem Kudamm…. Die Berliner Mauer war nach langer Zeit unerwartet geöffnet worden.
Es muss Mitte der 50er Jahre gewesen sein, der Teufelsberg war noch eine reine Trümmerwüste. Auf seiner Fläche wurden wohl aus Kostengründen damals Filme gedreht. Ich erlebte, wie O.W. Fischer in einer Grube saß und schimpfte wie ein Rohrspatz. Neben ihm Flugzeugtrümmer. Ob das Ganze eine Bruchlandung in der Sahara zeigen sollte, weiß ich nicht, jedenfalls waren die Mittel damals wohl so knapp und die Linsen vielleicht nicht so scharf, dass es als Steinwüste (Hamada) durchgehen konnte.
Oder gegen Ende der 50er Jahre: ich kam mit Anhänger von einem “Ausflug”
vom Trümmerberg und ein feiner Herr in Begleitung sprach mich an, wo es denn zum Teufelssee gehen würde. Ich guckte ihn erstaunt an, denn ich erkannte ihn, kam aber nicht auf den Namen. Hätte ich doch wenigstens eine seiner Hauptrollen am Schiller-Theater rezitiert, wie etwa “Nun ward der Winter unseres Missvergnügens glorreicher Sommer durch die Sonne Yorcks” (Richard II.), er hätte sich sicher gefreut, dass selbst ein Berliner Trümmer- Gartenjunge ihn erkannt hat! Wieder so eine verpasste Gelegenheit! (Es war der Schauspieler Rolf Henniger).
Auch mit meinem Studium ist der Garten zufällig verbunden! Es muss 1962 gewesen sein. Aus Göttingen waren Prof. Jürgen Hövermann mit seinem Assistenten Dr. Horst Hagedorn frisch nach Berlin importiert worden. Am Bahnhof Grunewald drückte mir Hagedorn eine Karte in die Hand: ich sollte die Studiengruppe (Proseminar: Physische Geographie) zum Teufelssee führen! Dies gelang mir auch ohne Karte! Ich wählte den Weg vorbei an der Försterei und als die Kolonie in Sichtweite kam, verabschiedete ich mich mit den Worten: Sie gehen hier einfach den Weg weiter, ich muss hier in der Kolonie noch was erledigen und treffe sie dann in ein paar Minuten wieder (Da meine Mutter im Juni Geburtstag hatte, sollte ich wegen der unsicheren Wetterlage das Silberbesteck für die Feier aus dem Garten holen).
Dann fast 40 Jahre später – der Kreis schließt sich – Befragung von meiner Frau und mir am Rand der Sandgrube im Rahmen des Erdkundestudiums an der FU durch zwei Studentinnen – wie oft, aus welchen Gründen usw. wir hier entlang spazieren würden. Leider versagte der Fragebogen etwas, denn zum Teufelssee gehende Kleingärtner waren bei den Fragen nicht vorgesehen…
Ein Ereignis aus der Kolonie, welches ich erinnere, war die Tieferlegung der Hauptwasserleitung wohl Anfang der 60er Jahre (nachprüfen!). Damals gab es hin- und wieder noch Abzweigungen von einer Parzelle zur anderen. So auch bei uns! Die hintere Parzelle (zu Weg 1 gehörend) hatte einen 2. Wasserhahn zur gelegentlichen Nutzung über unsere Parzelle. Diesen wollten wir weiterhin genehmigen. Doch der damals mit GF Durand befreundete Nachbar – dessen Namen ich hier nicht erwähne – wollte dies verhindern und so erwirkte er, dass wir nicht an die neue Wasserleitung in Weg 2 angeschlossen wurden! Da ich schon damals – mehr ein “Theoretiker” war, war ich stolz, dass es mir durch Kauf verschiedener Rohrstücke gelungen war, die tiefer gelegte Hauptleitung mit meiner höher gelegenen ”tropffrei” zu verbinden und den Garten mit dem Schlauch zu sprengen. Die Folge war die Bestrafung durch den GF aus Weg 1. Er sah mich beim Sprengen, auf dem Weg 2 wurde aufgegraben und wir solange von der Wasserversorgung abgeschnitten bis hinten die Leitung zum GF Durand gekappt war!
In den 70er Jahren – ich hatte die Parzelle von meiner Mutter übernommen –
hatte aber wenig Zeit und war außerdem ein “Igelfreund” (vgl. Kapitel 3) ging ein GF, der von Beruf Gärtner war, an unserer Parzelle vorbei und sagte:
“Na, was sie hier haben: Ist ja 'ne Wüste!!” Meine Antwort: “Ich würd’s eher für 'nen Urwald halten!” kommentierte er mit “ja, da haben Sie auch Recht!”
Welch herrliche Erlebnisse kann man mit Tieren haben – leider natürlich auch weniger schöne!
So denken wir immer wieder gern an das Stockentenpärchen zurück, welches uns vor gut zehn Jahren besuchte. Sie müssen schon zahlreichen Kontakt mit Menschen gehabt haben. Allein die Landung auf unserem damals etwa 2 qm großen “Teich” war eine Meisterleistung, da dieser nur von Osten aus eine geeignete Einflugschneise bot. Beide spazierten wie selbstverständlich durch den Garten und wurden von uns “Watch” und “Watschi” genannt. In den Wochen darauf kam sie sogar mit zwei Verehrern an, belegte die Gartenbank und zeigte deutlich, wer hier die Hosen anhatte. Leider kamen sie dann nach ein paar Wochen nicht mehr, wobei nicht geklärt werden konnte, ob der “böse Fuchs” oder mehr das rhythmische Klatschen eines Gartennachbarn während unserer Abwesenheit dafür gesorgt hatte. Auf jeden Fall können solche Erlebnisse ein unbeschreibliches Glücksgefühl erzeugen!
Dies hatte sicher nicht die Maus, welche vor ein paar Jahren trotz starken Bewuchses im hinteren Teil des Garten zielsicher von einem Mäusebussard ergattert wurde. Meine Frau sah noch die erstaunten Augen der Maus, konnte ihr aber nicht mehr helfen. Leider war natürlich kein Fotoapparat für einen entsprechenden Schnappschuss zur Hand.
Natürlich gibt es auch Geschichten mit Tieren, die einem nicht sehr gefallen. Hier eine, bei der sich nachträglich ein Tier als Verursacher herausstellte. Meine Frau bekommt in der Stadt – ich war mal wieder gerade verreist – einen Anruf vom Gartenvorstand GF Anklam, der damals unser Nachbar war: “Bei Ihnen nächtigt jemand!” Daraufhin nahm sich meine Frau ein Taxi, der Fahrer stand dann “Schmiere” am Gartenzaun, meine Frau öffnete die Tür – der Gartennachbar hatte sich sicherheitshalber halb verzogen – und ein völlig verängstigtes Eichhörnchen verlässt die Laube. Es hatte hinten im Dach eine Lücke gefunden, diese aber später beim Versuch des Verlassens wohl nicht mehr gefunden. Zum Fressen hatte es nur Seife gefunden und entsprechende Durchfallspuren hinterlassen….
Viele Jahre später, auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht von GF Bock- Saygin “Sie hatten Besuch….”. Wildschweine hatten die linke untere Zaunecke hochgebogen und sich über die gesamten im Herbst von meiner Frau gesetzten Zwiebelblumen hergemacht. Wütend bestellten wir uns nach Beseitigung der Spuren dann im Restaurant Wildschweinbraten….
Selbst wenn man Biologie studiert hat, was ist das gegenüber der lebendigen Natur im Garten! Wenn ich nur etwa an das Rotkchlchen denke, welches etwa bis auf einen Meter herankommt, auch wenn man nicht gerade im Boden wühlt und dabei Würmchen usw. frei werden. Man hat einfach den Eindruck, es will sich mit einem unterhalten. Oder wenn man auf der Gartenliege schläft und es einen vom Stuhl aus – nach Aussagen meiner Frau – nachdenklich beobachtet, was geht da in dem Tier vor? Warum gerade Rotkehlchen, was passiert da in den Zellen des Körpers, inwieweit ist sein Verhalten genetisch programmiert, es bleiben weiter viele Fragen offen…
Soweit einige persönliche Erlebnisse aus sechs Garten-Jahrzehnten, vielleicht haben einige davon gefallen. Auch ich lese gerne Geschichten, vielleicht dann schon in den nächsten “Grunewalder Gartenblättern” auch eine von Ihnen! Sie können ruhig etwas deftiger sein als meine! Nur wer Nichts erzählt, kann auch keine Fehler machen… Erst wenn man älter wird, merkt man, wie gerade die kleinen Erlebnisse das Leben ungemein bereichern können!
Gereimtes Gartenleben
Wie die Überschrift schon ausweist, spreche ich hier nicht von Lyrik sondern
nur von Reimen. Vielleicht erinnern Sie sich, wie ich im Kapitel 3 einige Zeilen
aus dem berühmten Gedicht von Hermann Hesses “Lebensstufen” zitierte. Ihm
soll auch in diesem Kapitel das Schlusswort mit den Endreimen aus des
“Gärtners Traum” gehören. Ich nehme an, dass “Gärtner Pötschke” bzw. auch
in der U-Bahn die Paechbrotsprüche in den 50er Jahren den Grundstock zu
meiner Reimerei gelegt haben. Diese kam zum ersten Mal voll in der Abitur-
zeitung 1961 zum Ausdruck – ich war bis dahin sicher eher als braver,
angepasster Schüler in der Walther-Rathenau-Schule bekannt. Dies hat sich
dann in meiner Schulzeit als Lehrer fortgesetzt. Wenn eine Kollegin 60 wurde
oder ein Kollege verabschiedet wurde, gab es von mir “Gebrauchslyrik”
(obwohl ich mehr Naturwissenschaft-ler war). Nun will ich versuchen, unsere
Gartenwelt in ein paar Zeilen zusam-menzufassen! Übrigens, meine Frau Ute
überholt mich gerade in meinen Bemühungen!
Der Kleingarten – ein Reimversuch!
Unsere Gärten sind nicht groß,
trotzdem ist da viel drin los!
Pflanzen gibt es reich an Zahl,
Doch auch manches Mineral.
Grundlage des Bodens ist der Sand,
Fruchtbarkeit so Grenzen fand.
Zugabe von Kompost oder Dünger
Macht den Boden etwas jünger.
Staunässe ist zum Glück hier selten,
Anders als in tonigen Welten.
Reich ist die muntre Vogelschar,
Die uns begleitet jedes Jahr.
Gesang, Nestbau und Brut
So zu erleben – das tut gut.
Igel, Frosch, Eidechsen hab’n ihr Plätzchen
und ab und zu auch mal ein Kätzchen.
Mäusebussarde am Himmel Bahnen zieh’n,
die Mäuse können kaum noch flieh’n!
Wir freuen uns, wenn Bienen kommen,
Die Sorg‘ um Blütenpracht ist dann genommen.
Die Ernte von Apfel, Birne und auch mehr,
erfreut uns dann entsprechend sehr.
Der Blumenflor ist wunderbar,
Wir freu'n uns drüber jedes Jahr.
Im Frühling, wenn die Tulpen blüh’n,
Am Himmel die Zugvögel zieh’n.
Im Garten gibt's zwar viel zu tun,
Doch ist es schöner: auszuruh’n!'
Über’n Gartenzaun so manchen Plausch,
oft gibt es Tipps und Obst im Tausch.
Die Gärtnerin lebt mit der Natur
und zeigt von Missmut keine Spur.
Belohnt wird dann ihr Fleiß,
nach Sommertagen – glühend heiß –
nach Säen, Pflanzen, Wässern, Jäten,
mit dem Ertrag auf ihren Beeten.
Bei Schnee und Kälte dann zu Haus,
sucht sie sich Samentütchen aus,
denkt an die kommende Jahreszeit
und weiß den Frühling nicht mehr weit.
Beim Überlesen meiner Reime hat meine Frau Ute zahlreiche eigene Verse
dazugereimt, die im obigen Versuch eingegangen sind.
Naja, … werden einige sagen. Antwort:
Ihre Reime für die Gartenblätter
Werden sicher etwas besser!
Noch schwieriger wird es, wenn man versucht, die Namen der Gartenfreunde
zu systematisieren und in Form von “Gebrauchsreimen” anzugeben. Hier ein
Entwurf (aus dem Jahre 2011, d.h. einige Namen sind wohl überholt!).
Alt-Biblisch fängt’s im Garten an:
Mit Adam und mit Abraham.
Das Christliche kommt häufig vor
Mit Anna, Eva, Johannes, Maria, Melchior.
In der Kolonie gibt’s auch 'nen Engel,
zum Glück zur Zeit weder Teufel noch Bengel.
Zwar werden weder Kaiser noch König ausgelobt,
doch haben wir einmal Graf und einmal Vogt.
Die Politik tritt mehrmals an:
Brandt, 2x Köhler, Marx und Heinemann.
Leider sind die Botanischen Welten
mit Blume, Rose, 2x Iris hier nur selten.
Die Vogelwelt gibt es ebenfalls |
mit Falke, Lerche, Meise, Neufink oder Balz.
Es gibt auch viele Eigenschaften,
die sich hier zu Nachnamen machten:
Bieder, Dunkel, Ehrlich, Klein, Kühl, Link, Oft,
Rasch, Scharff, Schwarz und Stolz.
Berufe gibt es reich an Zahl,
wer die Wahl hat, hat die Qual:
Bauer, Bräuer, Böttcher, Fischer, Förster, Meyer, Müller,
Koch, Köhler, Krämer, Richter, Vogler, Wagenknecht.
Meyer und Müller kämpfen um die Wette,
wer wohl die meiste Nennung hätte.
Viele Namen enden auch auf …mann
wobei es auch 'ne Frau sein kann:
Aufer, Bach, Brink, Deutsch, Hanne, Hell, Hoff, Gerste,
Gold, Hör, Huse, Korn, Popp und Schlott.
Ich kann zum Schluss hier nur nach raten,
ob Gartenfreund Oft ist oft im Garten….
Übrigens, es gibt auch sehr schöne Gedichte, die rein sachlich etwas
problematisch sind. Wie lange mussten die Kinder in Fontanes Ribbeck wohl
warten, bis sie endlich wieder Birnen essen konnten?
Ich lasse dies Kapitel – wie angekündigt – ausklingen mit der
letzten Strophe von Hermann Hesses “Gärtners Traum”:
Und Eines noch: ein sicheres Mäusegift
Den Wetterzauber gegen Hageltücken,
Vom Stall zum Hause einen kleinen Lift,
Und jeden Abend einen neuen Rücken.
Ausklang (Was bleibt zu tun?)
Hl
Stellenweise wurde schon angedeutet, dass dieses erste Heft der “Grunewalder Gartenblätter” nicht alle Themen ausführlich darstellen kann, einige Bereiche fehlen auch ganz.
Bei der Vorgeschichte der Kolonie können vielleicht weitere Recherchen mehr Licht ins Dunkel bringen, bei der Koloniegeschichte sind nur der Gründungszeitraum und der Bau des Vereinsheimes ausführlicher dargestellt.
Bezüglich der Nutzung werden kaum detaillierte Angaben gemacht. Hier könnten vielleicht – ein Beispiel aus der jüngsten Zeit ist beigegeben – kleine Karten gut “die Natur im Jahreslauf” aufzeigen. Wo blühen in der Kolonie im Frühjahr 2016 z.B. Forsythien oder gar Magnolien? Führt die unterschiedliche Besonnung – je nach Lage – auch zu physiognomischen Veränderungen innerhalb der Kolonie? Lassen sich z.B. mikroklimatische Unterschiede bei Niederschlägen und Temperaturen feststellen?
Oder auch: Welche Erfahrungen wurden gesammelt, um bei der kleingärtnerischen Nutzung ohne zu großen Aufwand an Zeit und Geld doch zu einigen respektablen Ergebnissen zu gelangen? Natürlich werden wir nicht ein Bund Radieschen für den Kaufpreis bei einem Discounter erzeugen können!
Immer wieder wird aber mein Eingangsspruch gelten:
Gute Ideen sind höchstens zehn Prozent der Verwirklichung!
Bei den allgemeinen Themen sollte sicher auf das Wasser in unseren Gärten mehr eingegangen werden. Auch Spezialthemen wie etwa die Imkerei werden sicher interessierte Leser finden.
Vor allem sollten unsere Festivitäten – hier besonders die Kinderfeste – aber auch Aktivitäten wie etwa die Treffen der Frauengruppe von berufener Seite zur Darstellung gelangen. Dass es mehr als ein Heft füllen würde, wenn von jeder Parzelle eine interessante Geschichte beigesteuert wird, hatte ich bereits erwähnt. Vielleicht schlummern auch noch eigene künstlerische Werke bei einigen Gartenfreunden, die der Allgemeinheit gezeigt werden sollten?
Wie wäre es, wenn unsere schöne Kolonie durch Fotos auf einer DVD präsentiert werden würde? Wer stellt sein know how dafür zur Verfügung, um Beiträge der Mitglieder entsprechend aufzubereiten?
Ich schließe mit einer sinngemäß wiedergegebenen Aussage von Karl Förster ((nach Gärtner Pötschke): Um Gärtner zu sein, dazu reicht ein Leben nicht aus!
Jürgen Aufermann am 15.9.2015